Trotz Vorbildwirkung: solarCity stieß bei Umsetzung an Grenzen. (OÖN vom 04.12.2004)

Vorträge über die solarCity in Linz wurden sogar schon in Korea gehalten. Über den Vorbildcharakter dieses neuen Stadtteils waren sich Referenten und Publikum bei einer Fachtagung auch einig.

Für Wohnbaulandesrat Hermann Keplinger stellt die solarCity ein "exzeptionelles Projekt" im sozialen Wohnbau dar. Vor allem die verschiedenen architektonischen Sprachen und Stile hätten Beispielwirkung für andere Projekte. "Wir haben inzwischen einen Qualitätsbeirat eingerichtet, um dort, wo er in den Gemeinden nicht vorhanden ist, Wert auf eine gute Architektur legen zu können."

Auch das Vorgeben von hohen Energiestandards bzw. Niedrigenergie-Bauweise habe sich gelohnt: Wenn in allen Wohnbauprojekten durch energiesparende Heizsysteme oder überhaupt Passivbauweise soviel Klimaschutz praktiziert würde, wäre die Erreichung der Emissionsziele kein Problem, betont Keplinger. Der Wohnbaulandesrat zog bei einer Fachtagung zur solarCity, die ebendort stattfand, eine Zwischenbilanz. Mehr als 100 Teilnehmer aus allen Bereichen des Wohnbaues waren bei dieser Veranstaltung, die die Akademie "Wohnen plus" initiiert hatte.

Auch die Stadt Linz habe ihre solarCity genau analysiert, um Lerneffekte zu nutzen, sagt Planungsstadtrat Klaus Luger. Am wichtigsten sei eine vorausschauende Grundstücksicherung. "Sonst geht gar nichts", so Luger.

Wesentlich dafür, dass dieses Versuchsprojekt in einzelnen Objekten bis zu fünf Mal überbucht war, sei ein professionelles Marketing gewesen, ergänzt Gunter Amesberger, der für den Magistrat die Stadtteilkoordination wahrgenommen hat. Denn zu Beginn sei die Skepsis groß gewesen.

Da die gesamte Infrastruktur für diesen neuen Stadtteil mit fast 1300 Wohnungen errichtet werden musste, waren die Kosten gewaltig. Zu den Kosten für die Wohnbauten von 125 Millionen Euro kamen 75 Millionen für die Infrastruktur.

Abstriche habe man beim vorgeschriebenen Bauteilkatalog machen müsen. Auch bei den Toilettenabwässern seien konventionelle Lösungen gewählt worden. "Wir hätten nicht garantieren können, dass dies 365 Tage im Jahr 100-prozentig funktioniert", so Hans-Jörg Huber von der Linzer GWG. Schließlich habe man kein Forschungsprojekt, sondern einen soziales Wohnbau umzusetzen gehabt.

Auch wisse man heute, dass der Informationsbedarf für die Bewohner größer als bei konventionellen Wohnprojekten sei. "Damit die Menschen in Passivhäusern komfortabel wohnen können, müssen sie wissen, wie man mit dem ausgeklügelten Lüftungssystem umgeht", sagt Architekt Martin Treberspurg, der in der solarCity einen Teil der Bebauungsplanung gemacht hat und auch mehrere Passivhäuser geplant hat. Nur eines dieser Häuser wurde tatsächlich ohne Heizung ausgeführt. Auch in diesem Bereich sind also Rückzieher gemacht worden.

 

Grünflächen mitgeplant

Üblicherweise werde für die Freiraumgestaltung dann Geld ausgegeben, "wenn am Ende der Bauphase noch welches übrig ist", sagte Herbert Dreiseitl, dessen Atelier diese Planung vorgenommen hat. Auch hier habe sich die solarCity von vielen Projekten unterschieden. "Die Gestaltung des Umfeldes wurde gemacht, bevor ein Bagger gefahren ist."

Die Planung des Projektes - von der Gesamtkonzeption über den Bauteilekatalog bis zur Freiraumplanung - wurde einhellig gelobt. Kritisch angemerkt - selbst von den ausführenden Wohnbaugesellschaften - wurde, dass die Kontrolle der Vorgaben während des Baus zu wenig konsequent gewesen sei.

 

Quelle: OÖN vom 04.12.2004


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