Kurzbeschreibung

Die solarCity Pichling ist ein Sonderwohnbauprogramm, welches 1991 vom Linzer Gemeinderat beschlossen wurde. Auf 32 Hektar sollen bis ins Jahr 2005 1.317 Wohnungen fertiggestellt sein.

Da sich die Stadt Linz 1995 zur nachhaltigen Stadtentwicklung verpflichtet hat, entschloss sie sich zur Konzeption eines Siedlungsprototyps, der europäischen Modellcharakter für eine Bauweise im Niedrigenergiebereich hat.

Ausschlaggebend war der große Bedarf an Wohnraum in Linz und das Bewußtsein, dass die Voraussetzung für eine zukunftsbeständige Stadt nur durch die Einbeziehung ökologischer, energetischer, sozialer und verkehrstechnischer Kriterien bei der Stadterweiterung geschaffen wird.

Daher verbindet die solarCity Pichling Wohn- und Freizeitqualität, ist mit entsprechender Infrastruktur ausgestattet und bemüht sich um regenerative Energieversorgung.

Projektbeginn: 1991

Projektende: 2005

Projektinitiator: Stadt Linz

Involvierte Personen und Gruppen

Stadt Linz

12 gemeinnützige und gewerbliche Wohnbauträger

Architektur/Städtebau

Prof. Roland Rainer

READ-Gruppe, Reneweable Energies in Architectur and Design

Martin Treberspurg

Finanzierung:

Stadt Linz, gemeinnützige Wohnbauträger, Land Oberösterreich, EU-DG XII, Linz AG

Detail:

Die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz hat sich mit der Realisierung der von der EU geförderten und von international anerkannten Architekten geplanten solarCity Pichling hohe Ziele gesteckt. Sie soll ein EU-weites Musterbeispiel für nachhaltige Stadtentwicklung werden.

Bis zum Jahr 2005 wird ein Stadtteil mit 1.317 Wohnungen sowie der dafür notwendigen Infrastruktur entstehen. Gebaut wird nach den Regeln der Solararchitektur in Niedrigenergiebauweise nach vorgegebenen Energiekennwerten zu angemessenen Kosten des sozialen Wohnbaus. Zu 34% Deckungsgrad soll das Warmwasser durch Sonnenkollektoren erzeugt werden. In 106 Wohnungen und in der Schule wird es Toiletten mit Urinseparation geben (Feststoffe werden kompostiert, Flüssigstoffe direkt für Düngung verwendet). Das Grauwasser wird vor Ort in einer biologischen Filteranlage gereinigt und dem nächsten Bach zugeführt.

Neue Wege der Planung werden beschritten. Zwischen der Stadt Linz und den Bauträgern – zehn gemeinnützigen und zwei gewerbliche Bauvereinigungen – wurden sozialplanerische Qualitätsvereinbarungen abgeschlossen. Dabei wurde besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die Gestaltung der Häuser und Freiflächen den Bedürfnissen der künftigen BewohnerInnen gerecht wird.

 

Strategien, Ziele und Finanzierung

Der Wohnbund Salzburg wurde mit der Erstellung einer soziostrukturellen Gesamtplanung für die solarCity Pichling beauftragt, um eine für solche Siedlungen typische, sozial kritische – weil nicht "durchmischte" – Bevölkerungs- und Sozialstruktur zu vermeiden. Dieser empfiehlt eine ausgewogene Mischung hinsichtlich Wohnrechtsform (Miete, Mietkauf, Eigentum), der Altersstruktur, entsprechende Ausländeranteile, soziale und gewerbliche Nutzung, Ateliers für Künstler sowie betreute Alten- und Jugendwohnungen.

Für die Planung der ersten 630 Wohnungen ist es der Stadt Linz gelungen, die Stararchitekten Sir Norman Foster/GB, Sir Richard Rogers/GB sowie Prof. Thomas Herzog/D für diese Sache zu begeistern und für eine Mitarbeit zu gewinnen. Diese Architekten haben sich gemeinsam mit dem renommierten Energietechnikplaner Norbert Kaiser/D in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden, die unter dem Namen "READ Gruppe" – Renewable Energies in Architecture and Design – der Niedrigenergiebauweise im internationalen Rahmen zum Durchbruch verhelfen will.

Die EU-Generaldirektion XII für Forschung und Entwicklung förderte diese Planung mit einem Betrag von 600.000 Euro. Ausschlaggebend für den positiven Förderbescheid war die Konzeption eines Siedlungsprototyps, der europaweiten Modellcharakter für eine Bauweise im Niedrigenergiebereich hat.

Innerhalb der Siedlung wird dem Fußgänger- und Radfahrverkehr die größte Priorität eingeräumt. Entsprechend ist das Straßen- und Wegenetz geplant. Sowohl Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz als auch der Bau von Sammelgaragen wird realisiert.

DI Ulla Schreiber, eine deutsche Expertin für frauengerechten Wohnbau, wurde beauftragt, ein Konzept zur Berücksichtigung frauenspezifischer Belange auszuarbeiten. Dabei stand insbesondere der Aspekt "subjektive Sicherheit" im Zentrum der Betrachtungen.

Integrierender Bestandteil des Projektes ist eine landschaftsplanerische Gestaltung unter Einbeziehung der bestehenden und neu zu schaffenden Elemente. Ziel ist ein multifunktionales und differenziertes Freiraumangebot. Darüber hinaus soll Natur- und Lebensraumvielfalt geschaffen und erhalten werden. Die nahegelegenen Donauauen werden unter Naturschutz gestellt, ein bestehender Badesee wird erweitert und der Aumühlbach wird revitalisiert. Die gesamte Freiraumplanung wird vom Atelier Dreiseitl/Deutschland wahrgenommen

Zur Umsetzung des Projektes wurde ein (virtuelles) Planungsnetzwerk eingerichtet. Eine Projektgruppe als zentrale Schaltstelle koordiniert und dokumentiert den gesamten Projektablauf. Im Ars Electronica Center (AEC) in Linz erfolgt eine computerunterstützte Visualisierung ("virtuelle Begleitung") des Projektes. Ziel ist die frühzeitige interaktive Einbindung aller Akteure – Verwaltung, Architekten, Bauträger, Anrainer, künftige Bewohner – in den Planungs- und Realisierungsprozeß.

Nachhaltigkeit

Als Grundlage für sämtliche Entscheidungen im Rahmen des Projektes solarCity Linz-Pichling dient die lokale Agenda 21 der Stadt Linz. Der Gemeinderat der Stadt Linz hat sich 1995 mit einstimmigem Beschluss zum Ziel "Zukunftsbeständige Stadt" bekannt und Grundsätze einer nachhaltigen Stadtentwicklung beschlossen. Alle Hintergründe, Maßnahmen und Ziele sind im sogennnten "Örtlichen Entwicklungskonzept" festgehalten. Vor diesem Hintergrund stellt das Projekt solarCity einen Modellfall für ganz Europa dar. Die Arbeitsweise und Teilergebnisse werden bereits jetzt als Vorbild für andere Projekte benützt.

Für ihre umfassenden Bemühungen zum Thema Nachhaltigkeit gewann die Stadt Linz den vom "Rat der Gemeinden und Regionen Europa" mit der EU-DG XI ausgeschriebenen Preis "Certificate of Distinction for 1997".

Bei einem von den Vereinten Nationen 1998 abgehaltenem Wettbwerb zur Verbesserung der Lebensumwelt wurde das Projekt solarCity Pichling mir der Bezeichnung "Best Practice" ausgezeichnet.

1999 wurde das Projekt von der Earth Society Foundation für die Verleihung des Enviromental Award 2001 nominiert.

2000 wurde das von Architekt Teberspurg geplante Quartier der EBS beim Wettbewerb "Haus der Zukunft" in der Kategorie " Innovative Baukonzepte" als eines der 5 Besten prämiert.

Beim internationalen "bremen partnership award" im April 2001 wurde die solarCity zu den 5 besten Projekten der Welt gewählt.

Quelle:

Projektkoordination solarCity

Herr DI Gunter Amesberger

A 4041 Linz

Neues Rathaus, Hauptstraße 1-5

Telefon: ++43 0732 7070-3475

Fax: ++43 0732 7070-54-3475

gunter.amesberger@mag.linz.at